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B4B Mainfranken.de,  22. Dezember 2005: Wirtschaft unterstützt Shalom Europa
Die mainfränkische Wirtschaft hat in einer Spendenaktion den Betrag von 50.000,- Euro für das neue Jüdische Gemeinde- und Kulturzentrum Shalom Europa in Würzburg gesammelt. Namhafte mainfränkische Unternehmen oder Unternehmer als Privatpersonen aus Vollversammlung und Präsidium der IHK Würzburg-Schweinfurt beteiligten sich an dem Spendenaufruf von Albrecht Fürst zu Castell-Castell, um den Bau des jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums in Würzburg sicherzustellen. Überreicht wurde der Scheck im Rahmen der IHK-Vollversammlung in Schloss Zeilitzheim durch IHK-Präsident Baldwin Knauf. Er betonte bei der Scheckübergabe die lange Tradition jüdischen Lebens in Mainfranken und die Chancen, die sich durch den Bau des Zentrums für die Region ergeben.
Der Initiativkreis Shalom Europa, dessen Sprecher Albrecht Fürst zu Castell-Castell ist, wurde bereits 1998 gegründet, um die Integration der nach Würzburg zugewanderten Juden in die jüdische Gemeinde und Gesellschaft zu fördern. Der Initiativkreis und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bündeln die vielfältigen Hilfsangebote für das Projekt. Zusätzlich zu den öffentlichen und gesetzlichen Fördermitteln ist das Projekt aber auch auf Zuschüsse und Spenden angewiesen.
Fürst zu Castell-Castell erläuterte anlässlich der Spendenübergabe vor dem Parlament der mainfränkischen Wirtschaft die Geschichte jüdischen Lebens in der Region und die Idee des Zentrums. Mainfranken besaß bereits im hohen Mittelalter mehrere größere Judengemeinden, aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich die ersten schnell wachsenden Gemeinden in Städten wie beispielsweise in Kitzingen ab 1865 oder Schweinfurt ab 1869. Während die jüdischen Bürger in den Städten Berufe wie Arzt, Rechtsanwalt oder Wissenschaftler ergriffen, verblieb der Großteil der ländlichen oder kleinstädtischen Juden im Handels- oder Dienstleistungssektor, besonders im Weinhandel. Nach der Vertreibung im Zweiten Weltkrieg bildete sich jedoch nur in Würzburg wieder eine jüdische Gemeinde, die aus Rückkehrern und Verschleppten aus anderen Ländern stammte. Von 1991 bis heute ist diese durch die so genannten Kontingentflüchtlinge aus den ehemaligen GUS-Staaten von rund 180 auf über 1100 Mitglieder angewachsen.
Wie Fürst zu Castell-Castell betonte, habe Würzburg dieses Wachstum als Chance zu einem guten Miteinander begriffen und mit dem Bauprojekt „Shalom Europa“ ein erfolgreiches Integrationsprojekt gestartet. Er dankte den Wirtschaftsvertretern für die großzügige Spende, die dazu beitragen wird, dass der 2001 begonnene Bau des neuen Gemeinde- und Kulturzentrums im Herbst 2006 fertig gestellt werden kann.

Würzburg Heute, Heft 80 /2005: Shalom Europa. Ein Projekt mit Tradition und Zukunft/von Josef Schuster
Die Jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken will bis spätestens Ende 2006 “Shalom Europa - Das neue jüdische Gemeinde- und Kulturzentrum” fertigstellen…

Besonders freuen wir uns …auf die Fertigstellung unsere neuen Gemeindesaales, der es uns dann ermöglichen wird, auch größere Veranstaltungen hier im Hause durchzuführen. Dabei wird dieser Saal in einer Größenordnung mit rund 400 Sitzplätzen auch anderen Veranstaltungen zur Verfügung stehen…. Doch auch hier gilt es …zu differenzieren: einerseits eine extern jüdische, andererseits eine extern nichtjüdische Bedeutung, Zur extern jüdischen Bedeutung: Von außerordentlicher Wichtigkeit ist dieSchaffung einer Jugendtagungsstätte in Zusammenarbeit mit der Lauderfoundation in New York. Mitr diesem Seminarzentrumg wird neben einer bereits bestehenden jüdischen Jugendtagungsstätte in Bad Sobernheim eine neue Jugendtagungsstätte geschaffen, die es dann ermöglichen wird, die derzeit erheblich in ihrer Kapazität eingeschränkten Aktivitäten für jüdische Jugendtagungen auf Bundesebene entsprechend auszuweiten. Wenn vor einigen Wochen in einem Artikel des “Spiegel” im Zusammenhang mit der Thematik der geänderten Zuwanderungsregelung für jüdische Migranten die innerjüdisch absolut nicht unumstrittene These aufgestellt wurde, dass langfristig nur etwa 15 bis 20 von derzeit über 80 jüdischen Gemeinden überlebensfähig sein werden, so ist es gerade die Jugendtagungsstätte, die einen ganz besonderen Impuls in das Gemeindeleben setzen wird und dieser Gemeinde einen herausragenden Stellenwert innerhalb der jüdischen Gemeinde in Deutschland verleiht.

Gerade auch die externe nichtjüdische Bedeutung des Projektes darf nicht übersehen werden. In dem musealen Anteil, aufbauend auf der ältesten Hinterlassenschaft dieser jüdischen Gemeinde, den sogenannten Judensteinen aus der Pleich, wird traditionelles jüdisches Leben im 21. Jahrhundert transparent…dies insbesondere unter Berücksichtigung, dass das hier in Würzburg praktizierte jüdische Leben nichts Neues ist, sondern einer vielhundertjährigen Tradition dieser Gemeinde in Würzburg bzw der Region entspricht.

Die Erforschung sowie wissenschaftliche Bearbeitung der weltweit größten Hinterlassenschaft eines mittelalterlichen jüdischen Friedhofs erfolgt in Zusammenarbeit der Julius-Maximilian-Universität Würzburg mit den Universitäten in Jerusalem und Tel-Aviv. Die nunmehr bevorstehende Veröffentlichung dieser teilweise sensationellen Ergebnisse wird der hiesigen U            niversität neue Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit im wissenschaftlich-historischen Bereich eröffnen. Gleichzeitig werden die neu gewonnenen Erkenntnisse auch in die Forschungsarbeit  des gemeinsam vom Bezirk Unterfranken und der Stadt Würzburg getragenen Dokumentationszentrums der jüdischen Geschichte Unterfrankens einfließen

Die Kitzinger, 10 November 2005: Lichter leuchten in der dunklen Zeit
Ein kleiner, unscheinbarer Leuchter, nicht blitzblank poliert, sonderm mit Wachsresten vom letzten Gebrauch gehört zu den bewegendsten Stücken, die..im Marktbreiter Malerwinkelhaus zu sehen sind. Der Chanukka-Leuchter stammt von Jehuda Amichai (1924 – 2000), dem bedeutendsten modernen Dichter Israels..

Neben Exponaten zum Jüdisxchen Chanukkafest stellt das Museum unter dem Titel “Licht, das uns leuchtet” bis zum 15. Januar 2006 christliche Bräuche zur Advents- und Weihnachtszeit vor…Zum Beginn des Chanukka-Festes, der heuer auf den Abend des 25. Dezember fällt, wird zuerst die Dienstkerze (Schamasch), dann das erste Licht am rechten äußeren Rand des achtarmigen Chanukka-Leuchters entzündet. Jeden Abend folgt ein weiteres Licht…Der Leuchter wird ins Fenster gestellt. In Marktbreits ist eine große Auswahl dieser Leuchter zu sehen, vor allem aus der Sammlun des Würzburger Volkskundlers Prof. Dr. Christoph Daxelmüller. Eine private Leihgabe ist der Leuchter Amichais, der in Würzburg geboren wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg die Verbindung zu seiner Geburtsstadt wieder aufnahm…

Main-Post, Kitzinger Land, 12. November 2005: “Gott ist Licht –Weihnachtsausstellung im Malerwinkel-Museum eröffnet
Licht, das uns leuchtet – christliche Bräuche zur Advents- und Weihnachtszeit, jüdische Tradtion zu Chanukka” – das ist ein etwas sperriger Titel für eine gelungene Ausstellung im Marktbreiter Malerwinkelmuseum…Drei Schirmherren, das sind auch drei Grußworte…Viel Beifall erntete (Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde Wprzburg und Unterfranken) für die Feststellung, das zwar im jüdischen Museum in Berlin eine ähnliche Ausstellung  wie in Marktbreit stattfinde, dass aber die Marktbreiter den deutlich glücklicheren Titel gefunden habe. “Weihnukka-Geschichten von Weihnachten und Chanukka” ehisst die Berliner Ausstellung…

The Atlantic Times, October 2005 Issue; Guilty by Omission. A private bank documents its conduct toward Jews during the Third Reich. By Brigitte Sträter
Banks, too, profited from the expropriation of Jewish property during the Nazi era. Facing this history isn’t easy. Without attempting to make excuses, a small private bank has researched its past.
The envelope said: “Moved to Lubin, forwarding address unknown. June 24, 1942.” The recipient could no longer be located and the mailman returned the undeliverable letter. The addressees, the brothers Alfred and Fritz Feldhahn, had been deported to Poland and murdered there in a death camp. They had been customers of the Fürstlich Castell’sche Bank und Credit-Casse in Würzburg.
For a long time, German banks kept silent about their past and that of their Jewish customers. Only at the end of the 1980s did Deutsche Bank, Dresdner Bank and Commerzbank create teams of researchers to look into the matter. Cases were looming from American courts regarding the expropriation (“Aryanization”) of Jewish assets during the Third Reich. Compensation claims went into the billions of dollars.
With minimal outside support, the historian Count Jesko of Dohna, director of the Fürstlich Castell’sche archives, spent many years investigating and then presented the documentation that dealt with the fate of “small” Jewish bank customers and the “Aryanization” of their accounts, their commercial transactions and their real estate. All other German private banks, with the exception of the Cologne bank Sal. Oppenheim, have to date abstained from doing so.
The initiator of the project was Prince Albrecht of Castell-Castell, board chairman of the Castell’sche Bank. In a very frank and personal way, he describes in the book’s foreword how the book came to be. He grew up in a family marked by German conservatism and nationalism, for which honor, loyalty, duty and the respect for rules were a priority. In the so-called “Jungvolk,” the Nazi organization for children, the young count marched as a drummer through his home village and enthusiastically took part in the scouting games and assemblies of the Hitler Youth.
When his father was made a reserve officer in 1939, his two sons hoped that the war would not end without their participation. Their wish was fulfilled, but only the 19-year-old younger brother returned safely in the summer of 1945. Albrecht’s brother and father had fallen.
Nearly 50 years later, Prince Albrecht visited Auschwitz. He was already 69 years old. He wrote that what had happened there also had something to do with him. He asked himself what his parents would have thought of the burning synagogues,
destroyed Jewish apartments, plundered businesses and the arrest and deportation of Jews. And it became quite clear to him for the first time: his parents had shown no signs of sympathy, no shock, not even indignation. “We made ourselves guilty through unkindness, indifference and omission,” he wrote.
Prince Albrecht began to search out contact with surviving Jews and to offer his help. Remembering, realization and repentance came at the beginning. He was thankful for the experience of forgiveness. Interest, devotion and love grew out of it, as well as the desire to research and make public the fate of Jewish bank customers and their interactions with the Castell’sche Bank.
The names of 163 Jewish customers of the bank are listed on 11 pages, in nearly every case with name, birth date and birthplace – and with their fate: deported, murdered, lost, emigrated. Died within the Third Reich or later. Only a few survived in Germany.
The banks played a significant role in the persecution of Jews and the confiscation of their fortunes. In order to give their criminal actions the appearance of constitutional legality, the national socialist regime issued a sophisticated set of rules and regulations, which substantially encroached on the business operations of money institutions, thereby usually making them compliant and an extended arm of the administration.
Already in 1935, the Nuremberg Laws denied Jews all civic rights. In the beginning “voluntary” sales of Jewish businesses prevailed under the pressure of the political situation.
After the “Reichskristallnacht” pogrom of 1938, “de-Jewifying the German economy” took place. These purges not only affected the large Jewish business and trading houses, but in equal measure the retail operators, small traders and the self-employed; in effect, the typical clientele of the Castell’sche Bank.
Belonging to this group was Fritz Feldhahn, who had inherited a house from his mother that had a mortgage with the bank. When he could only pay the interest sporadically because of dramatically declining business, his brother Alfred took on the responsibility for a number of years. When things also took a turn for the worse for him, the Castell’sche Bank received the terse notice that Alfred “Israel” Feldhahn (what he had to call himself due to his “Aryan” first name) had been “evacuated.” His address was unknown and all of his assets were left to the German Reich.
An inquiry into the whereabouts of his brother Fritz came back with the notation: “Moved to Lubin, forwarding address unknown. June 24, 1942.” In the meantime his house also belonged to the German Reich.
In this manner, the book documents the fates of numerous Jews from the Franconian area of Germany. At the end, the author comes to the following conclusion: the Castell’sche Bank adapted itself to the new political and economic system, adhered to legally ordered measures in terms of its Jewish clientele, “showed however in some cases little empathy for their hard-pressed situation… But in no way could an aggressive ‘Aryanization’ program or excessive personal greed be seen on the part of the owners or management. As with other bankers, a friendly attitude toward persecuted Jews was not to be expected from business.”
- Brigitte Sträter is a freelance journalist in Düsseldorf.

Jüdische Allgemeine Nr 43/05 – 27. Oktober 2005: Bausteine für die Begegnung – Würzburg: Shalom Europa sucht private Unterstütgzer für den zweiten Bauabschnitt
In Anbetracht der Gesamtsumme handelt es sich um eine relativ kleine Finanzierungslücke, die Josef Schuster, Vorsitzen der jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken benennt. 11,7 Millionen Euro kostet der Bau des neuen jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums „Shalom Europa in der Würzburger Valentin-Becker-Straße insgesamt.  750 000 Euro müssen die Mitglieder des Intiativkreises noch aufbringen, damit díe Fertigstellung des hellen, sandsteinverkleideten Baus mit der Glasfront gesichert ist. Doch das Geld fehlt. Deshalb startete der Inititativkreis die Spendenaktion „ Ein Stein für die Steine“.

„Der Aufruf richtet sich vor allem an private Spender“, sagt Josef Schuster und erläutert den Hintergrund des Mottos: Eine Spende stellt den symbolischen Erwerb eines Steins dar, dessen Bedeutung zweifach ausgelegt werden kann. Einmal dient er dem Gedenken an die Verstorbenen, deren Namen auf den mehr als 1500 jüdischen Grabsteinen stehen, die 1987 bei Abrißarbeiten entdeckt wurden und aus dem mittelalterlichen Würzburg stammen. „Hierbei knüpfen wir bewußt an den Brauch an, auf Gräber jüdischer Angehöriger einen Stein als Geste des Gedenkens zu legen“, sagt Schuster. Die Grabinschriften aus den Jahren 1154 und 1347 verzeichnen Namen berühmter Schriftgelehrter wie Rabbi El’asar ben Mosche had-darschan und Elieser ben Natan. Damit belegen sie daß Würzburgs jüdische Gemeinde bis ins 14. Jahrhundert ein europawei bedeutsames geistiges Zentrum war.

Der Fund bildet das Hertz des neuen Zentrums. In ihm erhaltgen die Steine ein Depot im Kellergeschoß und ein Museum, das sich ihnen sowie der Geschichte und Kultur der Juden in Unterfranken widmet. Deshalb die zweite Bedeutung der Botschaft „ein Stein für die Steine“. Die Spenden sind Bausteine für das künftige Zuhause der Grabsteine...

Spender erhalten neben einer Bescheinigung eine Urkunde mit einem Stein darauf. Auf Wunsch werden sie eventuell auf einer Tafel genannt. Ein „Stein für die Steine“ kann zu unterschiedlichen Preisen von 100, 1000 oder 10000 Euro, aber auch in jeder anderen Höhe erworben werden...

Saale-Zeitung, 17. Oktober: Lehr- und Erlebnishaus des Judentums
Vor vier Jahren wurde mit dem Bau eines Gemeinde- und Kulturzentrums für die jüdische Gemeinde Würzburg und Unterfrankenbegonnen. In einem Jahr soll das 11,7 Millionen-Euro-Projekt neben der Synagoge an der Valentin-.Becker-Straße eröffnet werden. Um den sensationellen archäologischen Fund von mittelalterlichen jüdischen Grabsteinen aus dem Jahr 1987 optimal unterzubringen, sammelt der Initiativkreis Shalom Europa derzeit Spenden von privaten Geldgebern.

Zu den 11,7 Millionen Euro, die das Gesamtprojekt kosten soll, fehlen nach den Worten des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Dr. Josef Schuster, immer noch rund 700000 Euro. Bein einer Begehung des Rohbaus erläuterte er ...den Fortgang der Arbeiten, die im Herbst 2006 abgeschlossen sein sollen. Dann steht der stark gewachsenen Gemeinde, die momentan etwa 1100 Mitglieder hat, ein „Lehr- und Erlebnishaus des Judentums“ zur Verfügung, wie es Schuster bezeichnete. Zudem wird hier ein öffentlich zugänglisches Museum über praktisches jüdisches Leben im 21. Jahrhundert eingerichtet. Auch werde auf die lange Geschichte des Judentums in Unterfranken verwiesen. Wobei kein Zeitabschnitt ausgeklammert werde... Shalom Europa wird offen sein für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen. Hier wird ebenfalls das jüdische Dokumentationszentrum der Stadt Würzburg und des Bezirks Unterfranken eine neue Bleibe finden...Nicht zuletzt soll in dem Zentrum Nachmittagsbetreuung mit Verpflegung für umliegende Schulen angebotenwerden und internationaler Jugendaustausch stattfinden...

Main-Post, 13. Oktober 2005: Letzte Steine für das neue Haus
Die Bauarbeiten am neuen jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum gehen in die letzte Phase. Weil zur Finanzierung noch Phase. Weil zur Finanzierung noch ein paar Schluß-Steine fehlen, startet der Initiativkreis „Shalom Europa“ eine Förder-Aktion.

Dr. Josef Schuster bräuchte seine Zuversicht eigentlich nicht so verhalten zu formulieren. „In etwa einem Jahr dürfte das Thema Einweihung Realität werden“, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Unterfranken... Und die nächsten 700 000 Euro? Es sind jene fehlenden Euro. Die Schusters Zurückhaltung erklären mögen. Und es ist die letzte Finanzierungslücke, die den Initiativkreis „Shalom Europa“ jetzt auf die Idee einer Benefiz-Aktion gebracht hat. Förderer und Unterstützer sollen zum Preis von 100, 1000 oder 10 000 Euro einen symbolischen „Stein für die Steine“ erwerben.

Das Motte weist auf die symbolische Geste hin, einem Verstorbenen zum Zeichen der Erinnerung einen kleinen Stein auf den Grabstein zu legen. Dieses Gedenken erbittet „Shalom Europa“ nun auch für die 1500 Judensteine aus der Würzburger Pleich. Für jene größte Ansammlung jüdischer Grabsteine aus dem Mittelalter, die vor 18 Jahren beim Abriß eines Hauses entdeckt wurden und die künftig im Keller des neuen jüdischen Gemeindezentrums zu sehen sein werden.

Im wörtlichen Sinne solle auf diesem kulturellen steinernen Gedächtnis das Zentrum für die 110 Mitglieder starke unterfränkische jüdische Gemeinde gründen..

Main-Post, 20. Juni 2005: Gedenktafel  für NS-Opfer
Das Würzburger Friedensbündnis hat in der Spiegelstraße eine Gedenktafel installiert, Text „In der Schrannenhalle wurde am 27. November 1941 die erste Deportation Würzburger und fränkischer Juden in die Vernichtungslager zusammengestellt. Ihnen und allen Opfern des Nationalsozialismus gilt diese Gedenktafel...

„Brauchen wir einen neuen Gedenkstein?“. Fragte Historiker Dr. Hans Steidle...Die übliche Antwort, man müsse sich daran erinnern, damit es nicht wieder passiert, genügt ihm nicht....Der deutschen Schweigspirale“,...so Steidle. Stand das Schweigen der Opfer, der Toten, gegenüber....Der Historiker zeigte auf, wie sich die ‚Deutschen seit den 60iger Jahren zunehmend mit dem Grauen des Holocaust beschäftigten, bis in die Gegenwart. Und sagte: Es schade nichts, sich für das zu entschuldigen, was vor 1945 getan wurde. „Aber daran tragen die meisten heutigen Deutschen keine Schuld. Sie trügen dann eine, wenn sie sich der Erinnerung nicht stellten“....

Main-Post, Juni 2005: 200 jüdische Bürger lebten einst in Höchberg.
Über die Geschichte, den Alltag  und die Kultur der Juden in Würzburg informiert eine Wanderausstellung, die in der Gemeindebibliothek von Bürgermeister Peter Stichler eröffnet wurde...Insgesamt 35 Schwarz-Weiß-Fotos  in Großformat zeigen die fast 1000-jährige Beziehung Würzburgs zu den in Stadt und  Umland lebenden Juden. In der Ausstellung ist auch der berühmteste Sohn von Höchberg, Leopold  Sonnemann (1831 – 1909), im großformatigen Bild mit Beschreibung zu seiner Person zu sehen....Die Gemeinde holte die Wanderausstellung in die Gemeindebibliothek, da sie sich, wie Bürgermeister Peter Stichler sagte, der jüdischen Vergangenheit stelle, denn die spielte für di Höchberger eine bedeutende Rolle. Um 1800 lag der jüdische Bevölkerungsanteil bei über 200 Seelen. In der Gemeinde war die Präparandenschule und die Synagoge mit Sommerhaus (heute Evangelische Kirche und Jugendhaus). Der Judenfriedhof gibt  noch heute Zeugnis von einer einst großen jüdischen Gemeinde, wo auch die bekannten Oberrabbiner von Würzburg, Abraham Bing nd Seligmann Bär Bamberger bestattet wurden.

Bayern heute, Bayern-Radio 2 ohne Datum: Jüdisches Leben in Bayern – Würzburgs Aufbruch nach Europa.
Eine ausführliche Würdigung der Geschichte, der Gegenwart und der projektierten Zukunft der  Jüdischen Gemeinde Würzburg – auf dem Internet abrufbar unter  http://www.br-online.de/bayern-heute/thema/juden-in-bayern/gemeinden-wuerzburg.xml

 Main-Post, 11. März 2005: Für Würzburg ein kultureller Faktor ersten Ranges – Woche der Brüderlichkeit: Finanzierungslücke für neues jüdisches Zentrum ‘Shalom Europa’ im Blickpunkt

Welche Erwartungen und Hoffnungen verbinden Juden und Nichtjuden mit dem neuen jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum “Shalom Europa”, dessen zweiter Bauabschnitt derzeit an der Valentin-Becker-Straße errichtet wird?

Dieser Frage gingen acht Redner auf der zentralen Veranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit nach. Den Anlass für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde zum dem Thema einzuladen, bildet die verbliebene Finanzierungslücke beim Neubau. Von den Gesamtkosten von 11,7 Millionen Euro fehlen nach Angaben der jüdischen Vorsitzenden der Gesellschaft , Jutta Schuster, 750000 Euro.

Zwischen der internen und der externen Bedeutung von Shalom Europa unterschied der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde,  Dr. Josef Schuster. Die interne bestehe darin, dass die Anzahl der Gemeinde-Mitglieder durch die Zuwanderung aus Osteuropa seit 1990 von unter 200 auf etwa 1100 angestiegen sei und für das Gemeindeleben und zur Integration der Neuen größere Räumlichkeiten benötigt würden. Die jüdisch-externe Bedeutung zeigte er am Beispiel der geplanten Jugendtagungsstätte mit 90 Betten auf, die ein “zentraler Anziehungspunkt” für junge Juden aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland werde. Die nichtjüdisch-externe Bedeutung sei . “jüdisches Leben nach außen zu tragen”, so wie man es in früheren Zeiten in Franken vom Nachbarn gekannt  habe. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Neuanfang der jüdischen Gemeinde nach dem Holocaust sei es “hohe Zeit”, dass sie das bekomme, “was die christlichen Gemeinden längst erhalten haben”, nämlich ein zeitgemäßes Gemeindezentrum, erklärte der evangelisch-lutherische Dekan Dr. Günter Breitenbach. “Shalom Europa” werde auch ein “Lehr- und Erlebnishaus”, meinte Breitenbach mit Blick auf das Museum, in dem die 1987 in der Pleich gefundenen mittelalterlichen jüdischen  Grabsteine ausgestellt werden…“Ein Ort der Versöhnung” soll das Zentrum nach den Worten von Fürst Albrecht zu Castell-Castell, Sprecher des Initiativkreises “Shalom Europa” werden.

Evangelischer Presseverband für Bayern, 20. März 2005: Christen, Juden und Muslime gegen Rechts
Mehr als 7.000 Menschen sind nach Polizeiangaben am Samstag in Würzburg einem Aufruf von Christen, Juden und Muslimen zu einem Protestmarsch gegen Rechts gefolgt. Unter dem Motto "Würzburg bunt statt braun - Religionen für die Menschenwürde" distanzierten sie sich von einer am selben Tag angesetzten NPD-Demonstration zum 60. Jahrestag der Zerstörung der Stadt durch britische Bomberverbände... Unter den Teilnehmern waren neben Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern auch der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann und der evangelische Regionalbischof Helmut Völkel…

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinen Bayerns, Josef Schuster ließ seine Rede wegen des jüdischen Sabbat-Tages verlesen. Er erinnerte an die jüdischen Opfer der NS-Zeit und verwies auf das Wiederstehen der jüdischen Gemeinde in Würzburg und den Bau ihres neuen Zentrums "Shalom Europa". Schuster machte deutlich, dass die Juden ungeachtet antisemitischer Tendenzen bleiben werden.

Pressedienst des Bischöflichen Ordinariats Würzburgm, März 2005: Unübersehbares Zeichen für die Menschenwürde
Ein unübersehbares Zeichen für die Menschenwürde und für ein Zusammenleben in Frieden und gegenseitiger Achtung haben Christen, Juden und Muslime am Samstagmittag, 19. März, in Würzburg gesetzt. Mehr als 7000 Menschen nahmen nach Polizeiangaben an der Demonstration und Kundgebung „Würzburg bunt statt braun – Religionen für die Menschenwürde“ teil. „Sie machen unmissverständlich klar: Würzburg sagt Nein zu braunen Parolen. Würzburg sagt Ja zur Versöhnung und zu einem Zusammenleben in Frieden und gegenseitiger Achtung“, rief Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer den Menschen bei der Kundgebung zu, die Domplatz, Domstraße, Plattnerstraße und Kürschnerhof füllten...

Die jüdische Gemeinde vertraue auf die demokratische deutsche Gesellschaft, in deren Mitte sie sich akzeptiert fühle, betonte Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken sowie Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Bayerns. Der Bau des neuen Gemeindezentrums „Shalom Europa“ in Würzburg zeige, dass die Juden in Würzburg bleiben und nicht weggehen wollten. „Daran werden die Herrschaften, die in Würzburg ihren braunen Rattenfängern nachlaufen, nichts, aber auch gar nichts ändern.“

Die Parole der Rechtsradikalen bezeichnete Schuster als lächerlich. Man werde nicht vergessen, was die Verbrecher, die sie verehrten, angerichtet haben. Dabei stehe die entsetzliche Bombennacht von Würzburg nicht als singuläres Ereignis da. „Für die Juden war der Beginn des Krieges der 30. Januar 1933. Ab da begann die Ausgrenzung aus der deutschen Gesellschaft, die Demütigung, die Gefahr für Leib und Leben, die mit dem Pogrom vom 9. November 1938 ihren nur vorläufigen Höhepunkt fand.“ Bis zum Beginn der Deportationen in die Todeslager der Nazis sei das Leben derjenigen, sich im Vertrauen auf die deutsche Kultur, die Nachbarn, die Freunde, das Leben in ihren Heimatorten nicht zur Auswanderung hätten entschließen können, nicht mehr menschenwürdig gewesen. Die 50 Millionen Tote des Krieges seien das Erbe, auf das sich die Neonazis beriefen, die heute marschierten. „Von den 3000 Juden, die in der Weimarer Republik in Würzburg lebten, überlebten nur eine Handvoll die Konzentrationslager.“..

Main-Post, 9. März 2005: Bischof besucht Shalom Europa
Bischof Friedhelm Hofmann hat dem Kulturzentrum  der Jüdischen Gemeinde in Würzburg “Shalom Europa” einen Antrittsbesuch abgestattet. Erfreut nahm der Vorsitzende der Israeltischen Kultusgemeinde, Dr. Josef Schuster, die Nachricht auf, dass das frühere Ritualbad unter der Marienkirche, die jüdische Mkwe “zu einem würdigen Ort des Gedenkens ausgebaut werden soll. Bischof Hofmann sagte auch zu, im Kuratorium für “Shalom Europa”mitzuarbeiten

Pressedienst Ordinariat Würzbúrg, 8. März 2005: Juden und Katholiken wollen Kontakte vertiefen - Antrittsbesuch von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann im Kulturzentrum „Shalom Europa“
Die guten Kontakte zwischen der Diözese Würzburg und der Jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken sollen weiter ausgebaut und vertrauensvoll vertieft werden. Das haben Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde, Rabbiner Jakob Ebert, Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand beim Antrittsbesuch von Bischof Hofmann im jüdischen Kulturzentrum „Shalom Europa“ am Montagabend, 7. März, einmütig betont. Der Bischof entsprach daher auch gern der Bitte, wie sein Vorgänger Dr. Paul-Werner Scheele im Kuratorium für „Shalom Europa“ mitzuarbeiten. Gemeinsam mit dem Generalvikar konnte der Bischof auch die Missverständnisse klären und ausräumen, die um einen Kommentar im Würzburger katholischen Sonntagsblatt entstanden waren. Dr. Schuster und Rabbiner Ebert zeigten sich erfreut über die Mitteilung Hillenbrands, dass das frühere Ritualbad unter der Marienkapelle, die jüdische Mikwe, zu einem würdigen Ort des Gedenkens ausgebaut werden soll. Auf diese Weise werde ein wichtiges Dokument jüdischen Lebens in Würzburg erhalten.

 Pressestelle Ordinariat Würzburg, 17. Februar 2005: Juden eng mit Würzburg verbunden - Echter Verlag stellt Buch „Ruth hat auf einer schwarzen Flöte gespielt“ vor – Autoren Daxelmüller und Flade beleuchten Geschichte, Alltag und Kultur der Juden in Würzburg – Dr. Josef Schuster würdigt Verhältnis zu Christen
Einblick in Geschichte, Alltag und Kultur der Juden in Würzburg gibt das im Echter Verlag erschienene Buch „Ruth hat auf einer schwarzen Flöte gespielt“. Bei der Vorstellung des 120-seitigen Werks von Christoph Daxelmüller und Roland Flade am Dienstag, 15. Februar, im Jüdischen Gemeindezentrum Würzburg betonte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken, Dr. Josef Schuster, angesichts eines wieder salonfähig gewordenen Neonazismus und Rechtsextremismus erscheine das Buch zur richtigen Zeit. Es zeige, dass es seit Jahrhunderten Juden in Würzburg gibt.
Für Schuster ist der vom früheren Volksblatt-Chefredakteur Klaus M. Höynck herausgegebene Band ideal geeignet, um kompakt und lesbar wichtige Informationen zum jüdischen Leben in Würzburg zu erhalten. Gezeigt werde nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart und Zukunft einer Gemeinde, die eng mit Würzburg verbunden ist. Das Verhältnis der jüdischen Gemeinde zu den christlichen Konfessionen in den vergangenen Jahrzehnten nannte Schuster erfreulich. Er erinnerte an die Übergabe der 1938 geretteten Thorarolle durch Bischof Dr. Josef Stangl im Jahr 1970, an die Unterstützung durch Bischof Dr. Paul-Werner Scheele und die Diözese Würzburg beim Bau des Gemeindezentrums „Shalom Europa“ sowie an die enge Verbindung zur evangelischen Kirche. Das Verbindende werde betont, ohne das Trennende zu vergessen, beschrieb Schuster das Verhältnis zwischen Juden und Christen.
Herausgeber Höynck erinnerte bei der Präsentation an das unendliche Leid der Juden in der NS-Zeit und die unermesslichen Schrecken der Konzentrationslager. Die Ermordung der Juden nannte er einen gigantischen barbarischen Zivilisationsbruch. Heute sei es wichtig, mahnend Zeugnis für diese Epoche abzulegen. Die Deutschen dürften sich nicht vom Bekenntnis zur Schuld und zur Verantwortung lossprechen. „Jede Generation muss sich Auschwitz und seine verheerenden Folgen jeweils neu vergegenwärtigen.“ Heute gelte es, die Menschenrechte und Menschenwürde für Minderheiten einzufordern.
Das Buch zeigt die knapp 1000-jährige Geschichte der Juden in Würzburg. Autor Christoph Daxelmüller, Professor für Volkskunde an der Universität Würzburg, schildert eine wechselvolle und tragische Geschichte im ersten Teil des Buchs. Die Ereignisse reichen von der Ansiedlung der Juden in fränkischen Städten über mittelalterliche Pogrome und Judenmorde bis hin zum „Weg ins Nichts“ in der NS-Zeit. Sein Fazit: „Die Würzburger Juden lebten nicht in jenem Franken, wie wir es sehen, sondern in einer Welt voller biblischer Geheimnisse und Geschehnisse. Ihnen diese Heimat zu nehmen, versuchte man immer wieder in der fast tausendjährigen Geschichte des jüdischen Würzburgs; es mag uns mit Genugtuung erfüllen, dass es nie gelang.“
Im weiteren Teil erzählt Main-Post-Redakteur Dr. Roland Flade von Alltag, Religion und Brauchtum der Würzburger Juden und vom religiösen Leben in der Stadt der sieben Synagogen. Kurzweilig schildert er Rabbiner, Ärzte, Kaufleute und Studenten, berichtet von liberalen und orthodoxen Juden, lässt Grabsteine sprechen und beleuchtet den Schabbat und das Judentum im Jahreskreis. Beeindruckend und ergreifend liest sich das Schicksal der Würzburger Rabbinerfamilie Hanover in der NS-Zeit. Die Tochter des Rabbiners Dr. Siegmund Hanover, Ruth Hanover, starb im Jugendalter im Konzentrationslager Sobibor. Sie gibt dem Buchtitel ein Gesicht: „Ruth hat auf einer schwarzen Flöte gespielt.“

Abgerundet wird das mit zahlreichen Bilddokumenten ergänzte Werk mit einem Interview, das Herausgeber Höynck mit Dr. Josef Schuster und Rabbiner Jakov Ebert zum neuen jüdischen Gemeindezentrum „Shalom Europa“ in Würzburg führt. Schuster sagt dort am Schluss des Gesprächs: „Gemeinsame Aufgabe aller Menschen in Stadt und Land sollte es nunmehr sein, dafür Sorge zu tragen, dass Historiker nicht eines Tages die Frage stellen müssen: Warum hat man zu Beginn des 21. Jahrhunderts so wenig aus der Geschichte gelernt?“
Christoph Daxelmüller/Roland Flade: Ruth hat auf einer schwarzen Flöte gespielt. Geschichte, Alltag und Kultur der Juden in Würzburg. Herausgegeben von Klaus M. Höynck. 120 Seiten mit 40 schwarz-weiß Fotos. 12,80 Euro. Echter Verlag, Würzburg 2005. ISBN 3-429-02666-0.

Sonntagsblatt, 13. Februar 2005: Verbreitet das Sonntagsblatt antisemitische Klischees?“

Für Irritationen und auch überregionales Medienecho hat ein im Sonntagsblatt vom 23. Januar 2005 veröffentlichter Kommentar gesorgt. Unter dem Titel „Der Lobbyist der Ungeborenen“ hatte sich sich der Beitrag mit Aussagen zur Abtreibungsthematik in der Dreikönigspredigt des Kölner Kardinals Joachim Meisner und den Reaktionen darauf befaßt.

(Es folgen der Wortlaut des Protestschreibens von Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken, Präsident des Landesverbandes der IKG in Bayern und Präsidiumsmitglied des Zentralrat der Juden in Deutschland dazu an Bischof Friedhelm vom 4. Februar 2005 sowie eine Erklärung der Diözese Würzburg dazu, ebenfalls vom 4. Februar 2005)

Brief von Dr. Josef Schuster:
„Exzellenz am gestrigen Abend wurde mir ein Artikel des seitens der Diözese Würzburg herausgegebenen ‚Würzburger katholischen Sonntagsblatt’ der Ausgabe vom 23. Januar 2005 zugeleitet. AufSeite 4 unter „Meinung“ wird, farblich hervorgehoben, in einem Artikel von Ernst Knoll, die Thematik der Predigt von Kardinal Meisner am Dreikönigstag aufgegeriffen.

Zu einem Zeitpunkt, in dem aufgrund aktueller politischer Ereignisse Sorge vor Rechtsextremismus und Antisemitismus breiten Raum der Diskussionen einnimmt, werden in diesem Artikel des Würzburger katholischen Sonntagsblattes unverhohlen antisemitische Vorurteile benutzt und geschürt. Wenn der Autor des Artikels ausführt, dass Kardinal Meisner Paul Spiegel und dem Zentralrat der Juden als meinungsstarke Lobby ins Netz gegangen sei, so ist dies eine Aussage, die an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten ist. Die Aufnahme eines solchen Artikels ins offizielle Organ der Diözese Würzburg wirft in mir die Frage auf, inwieweit es sich bei den derzeitigen Diskussionen bezüglich wieder aufkeimenden Antisemitismus um Lippenbekenntnisse handelt.

Darüber hinaus ist der Autor des Berichts nicht in der Lage, zu differenzieren zwischen einer Abtreibung als individuelle Handlung einer Person, bzw. eines von Staats wegen verordneten Massenmordes. Um nicht missverstanden zu werde: Bei allem Verständnis für die moralische Empörung des Kardinals in der Frage der Abtreibung, heiligt auch hier nicht der Zweck die Mittel. Kardinal Meisner hat seinen Vergleich von Abtreibung mit den Verbrechen Hitlers und Stalin zumindest im Nachhinein bedauert. Das Organ der Diözese Würzburg nutzt die Gelegenheit zur Verbreitung übelster antisemitischer Klischees...“

Stellungnahme der Diözese Würzburg zur dpa. Meldung "Israeligische Kultusgemeinde attackiert Würzburger Kirchenblatt" vom 4. Februar 2005:
„Der Chefredakteur des Würzburger katholischen Sonntagsblatts, Wolfgang Bullin, hat gegenüber Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand versichert, dass es niemals Absicht der Bistumszeitung gewesen sei, mit dem Gastbeitrag in der Ausgabe vom 23. Januar 2005 antisemitische Klischees zu verbreiten. Wenn dieser Eindruck entstanden sei, bedauere er dies zutiefst. Die Aussageabsicht des kritischen Kommentars sei vielmehr der dringliche Hinweis auf den Schutz des Lebens in allen seinen Phasen gewesen. Dass dem Würzburger katholischen Sonntagsblatt die Abwehr antisemitischen Denkens in jeder Form ein wichtiges Anliegen ist, zeigt unter anderem der Kommentar „Antisemitismus entschieden bekämpfen“ in der Ausgabe vom 6. Februar 2205. Dort betont der Autor: ‚Gerade in Deutschland darf Antisemitismus niemals verharmlost oder gar übersehen werden. Doch Verbote und Mahnungen reichen allein nicht aus’

Bischf Hofmann und Generalvikar Hillenbrand werden baldmöglichst ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken, Dr. Josef Schuster, führen mit dem Ziel, entstandene Irritationen auszuräumen. Beide setzen darauf, dass die gewachsenen, freundschaftlichen Beziehungen zur Israelitischen Gemeinde, die sich nicht zuletzt in der aktiven Unterstützung des Projekts ‚Shalom Europa’ ausdrücken, durch dieses bedauerliche Mißverständnis nicht nachhaltig belastet werden“.

Main-Post, 1. Februar 2005: Zuschuß für Shalom Europa“

Die Regierung von Unterfranken hat der jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken  für das Jüdische Gemeinde- und Kulturzentrum „Shalom Europa“ in Würzburg einen weiteren Zusschuss in Höhe von 1 Million Euro bewilligt. Zusammen mit den im Jahr 2002 bereits bewilligten 3,6 Millionen Euro beteiligt sich Bayern damit mit rund 4,6 Millionen Euro an den Gesamkostten von 11,7 Millionen Euro.

Main-Post, 15. Januar 2005: „Haben gelernt, miteinander zu leben – Ausstellung ‚Blickwechsel – Christen und Juden, Juden und Christen“ eröffnet
Bis zum 10. Februar ist in der Würzburger Stephanskirche die Wanderausstellung „Blickwechsel – Christen und Juden, Juden und Christen zusehen. Noch heute „und wahrscheinlich in alle Zeit“, sagt Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Unterfranken, Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, beten die Juden  an ihren hohen Feiertage Gebete, die aus der Zeit der Kreuzzüge stammen und von der verzweifelten Not der Menschen in jener Zeit  berichten. Christliche Kreuzfahrer schlachteten Juden ab – „Greise und Jünglinge, Frauen und Kinder ohne Zaudern, ohne Erbarmen“ steht in den Annalen  über ein Massaker Mitte des 12. Jahrhunderts.

Die Judenverfolgung ist ein Teil christlicher Kontinuität. 800 Jahre später mündete sie im Holocaust. Protestanten, sagt Würzburgs evangelischer Dekan Dr. Günter Breitenbach, waren „dem Nationalsozialismus gegenüber tendentiell anfälliger als ihre römisch-katholischen Glaubensgeschwister“. Nur wenige „meinten, man müsse für die Juden schreien“.

Ist so ein Verhältnis zu heilen? Die Ausstellung zeigt, dass alte Vorurteile, tief verwurzelt in Kultur und Theologie, das Bild vom Judentum bis heute prägen. Da erscheint zum Beispiel das Alte Testament als Buch der Rache, das Neue als das Buch der Liebe. Falsch, belehrt die Ausstellung. „Beide Teile der Bibel zeigen einen Gott, der Unrecht straft und barmherzig zu Menschen ist“.

Die Schau von Texten und Bildern, in Auftrag gegeben vom Verein „Begegnung von Christen und Juden“ Bayern“, ist dreigeteilt. Im Zentrum stehen Interviews mit in Bayern lebenden Jüdinnen und Juden; sie stellen jüdische Identität heute vor. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der jüdisch/protestantischen Geschichte in Bayern seit dem frühen 19. Jahrhundert...Der dritte Abschnitt räumt mit christlichen Vorurteilen auf.

„Ich denke“, sagte Schuster zur Ausstellungseröffnung, „wir alle wissen, dass Antisemitismus und Antijudaismus in Europa christliche Wurzeln haben“. Die Ausstellung unternehme den „sehr gelungenen Versuch einer gegenseitigen Standortbestimmung“...Natürlich gebe es Trennendes, „aber wir haben gelernt, uns zu respektieren in unserem jeweiligen Anderssein“...Antisemitismus sei „nicht wirklich das Problem der Juden, sondern eine Gefahr für die demokratische nichtjüdische Gesellschaft; er ruiniert ihre Werte“...

 
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