Die unterfränkischen Juden in der frühen Neuzeit (16.-18. Jhdt.)
 
Grundlage legaler jüdischer Existenz in Unterfranken ist vom 15. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts der individuelle Schutzbrief, der für den Haushaltungsvorstand, seine Familie und gegebenenfalls seine Hausangestellten gilt. Solche Schutzbriefe waren nicht vererbbar. Für einen bischöflichen Schutzbrief war der Nachweis eines wesentlich höheren Vermögens Voraussetzung. Wer keinen Schutzbrief erwerben konnte, gehörte zu den “unvergleiteten Schnorr- und Betteljuden”. Um 1800 wurde die jüdische Bevölkerung auf fast 4 % der Gesamtbevölkerung geschätzt. Es gab etwa 540 Familien, die zur “hochstiftischen Landjudenschaft” gehörten. Zur ritterschaftlichen “Oberländer” oder “Grabfelder” Korporation gehörten 629 und zur ritterschaftlichen “Unterländer” Korporation 621 Familien. Die Grabfelder Juden hatten ihren eigenen Oberrabbiner in Burgpreppach. Die Unterländer unterstanden gemeinsam mit der Altwürzburger Landjudenschaft dem Oberrabbiner in Heidingsfeld. Viele Jahre lang war Heidingsfeld Mittelpunkt des jüdischen Lebens im heutigen Unterfranken. Die 1298 dort erstmals urkundlich erwähnte jüdische Gemeinde gewann im 17. Jahrhundert mit der Ausweisung der Juden aus Würzburg an Bedeutung. Auch als Heidingsfeld an das Hochstift fiel, durften die Juden dort bleiben.
Die jüdischen und christlichen Einwohner der fränkischen Dörfer lebten religiös und kulturell in unterschiedlichen Traditionen. Die Sprache des jüdischen Alltags in Franken war das Jiddische unter Juden, der jiddisch eingefärbte fränkische Dialekt beim Verkehr mit der nichtjüdischen Welt.
 
     
     
 
  Der Obere Markt (rotes Sternchen) wurde früher als "Judenplatz" bezeichnet.   das Modell der Heidingsfelder Synagoge.  
 
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