Die Jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken nach dem 2.Weltkrieg
Die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebildete Jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken zeichnete sich im Gegensatz zu den meisten anderen Orten von Anfang an dadurch aus, dass fast alle ihre Vorsitzenden und die überwiegende Zahl der Mitglieder enge Beziehungen zur Würzburger oder anderen unterfränkischen Vorkriegsgemeinden hatten. Die neue Gemeinde in Würzburg entstand aus zunächst 21 überlebenden Rückkehrern aus Theresienstadt und 38 Verschleppte aus anderen europäischen Ländern (DPs). Sie wuchs bis 1990, dem Jahr vor dem Beginn der Zuwanderung von Gemeindemitgliedern aus dem Kreis der sogenannten Kontingentflüchtlinge, auf etwa 180 Mitglieder. Seit 1991 ist die Zahl der Mitglieder auf über 1000 gestiegen.
  Senator David Schuster während der Einweihung der Synagoge 1970 mit seiner Frau Anita und Bischof Dr. Josef Stangl ...

... und mit dem ersten Modell von Shalom Europa - das neue Jüdische Gemeinde- und Kulturzentrum.

 
 

Einer, der die neue Gemeinde mit am meisten prägende unter den in der Nachkriegszeit amtierenden sechs Gemeindevorsitzenden war David Schuster (1958 - 1996). In seine Amtszeit fielen die Konsolidierung und der systematische Ausbau der Gemeinde und ihrer Einrichtungen. Dazu gehörten zunächst die Wiederherstellung des Friedhofsgebäudes und später der Neubau der 1970 eingeweihten Synagoge in der Valentin-Becker-Straße. David Schuster, der bis zur 1938 erzwungenen bzw. geglückten Emigration seiner Familie nach Palästina in Bad Brückenau gelebt hatte, war 1956 nach Unterfranken zurückgekehrt. Für seinen Beitrag zur christlich-jüdischen Verständigung erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und den Bayerischen Verdienstorden. Die Juden des Freistaates Bayern repräsentierte er sechs Jahre lang im Bayerischen Senat. Mit auf seine Initiative zurück ging auch die Einrichtung eines von der Stadt Würzburg und dem Bezirk Unterfranken getragenen Dokumentationszentrums für jüdische Geschichte und Kultur in dem nicht mehr voll genutzten Altersheim in der Valentin-Becker-Straße. Das Projekt Shalom Europa, der im Jahr 2001 begonnene Bau eines Neuen Gemeinde- und Kulturzentrums auf dem Gelände an der Valentin-Becker-Straße, trägt wesentlich auch seine Handschrift.

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