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Ein Stolperstein für Ignaz Rindskopf

 
 
Bei einer weiteren von dem Kölner Künstler Günter Demnig inspirierten Aktion der Verlegung von Stolpersteinen in Erinnerung an Opfer der Nazi-Herrschaft, der in Würzburg inzwischen sechsten, ist am 22. September 2008 u.a. des letzten Vorsitzenden der Jüdischen Vorkriegsgemeinde Würzburg vor deren endgültigen Eliminierung im Jahr 1942 gedacht worden. Vor dem einstigen Wohnhaus von Ignaz Rindskopf in der Würzburger Ottostraße wurde ein Betonwürfel mit einer mit seinem Namen beschrifteten Messingplatte verlegt. Die in Amerika lebende Großnichte Rindskopfs, Frau Marsha Rehns, die zu der Feierstunde eingeladen war, zeigte tief bewegt: „Nie hätte ich gedacht, daß es noch einmal eine formale Gedenkveranstaltung für ihn geben würde. Was ich hier erlebe, läßt mich Frieden mit einem Lande finden, in dem so viele auf beispielhafte Weise zur Vergangenheit stehen.

Dekan Dr. Günter Breitenbach von der Evangelisch-Lutherischen Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Würzburg, die den Stolperstein gestiftet hatte, rief bei dieser Gelegenheit die Erinnerung an das Leben und Schicksal eines Menschen wach, wie es typischer und tragischer für einen ehemaligen jüdischen Mitbürger nicht hätte sein können. Mit seiner Familie wurde er Ende des 19. Jahrhunderts in Würzburg eingebürgert. 1915 meldete er sich im Alter von 43 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst und kam 1817 als hochdekorierter Unteroffizier schwerverwundet zurück.

Der in zahlreichen Funktionen innerhalb und außerhalb der Jüdischen Gemeinde engagierte Weinhändler übernahm 1938, als er und seine jüdischen Glaubensgenossen zunehmend ihrer existentiellen und Bürgerrechte beraubt wurden, den Vorsitz der Israelitischen Kultusgemeinde. Seine in dieser Funktion, so Breitenbach, wahrscheinlich schwerste Prüfung kam, als er gezwungen wurde, den Behörden die Mitgliederliste der Gemeinde auszuhändigen, eine Liste, die wesentlich der Vorbereitung für die später folgenden Deportationen in die Vernichtungslager im Osten diente.

Für ihn selbst war es ebenfalls bald zu spät, anderen Familienangehörigen ins sichere Ausland zu folgen. Am 23. September 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er am 12. Dezember 1944 den Tod fand.

Ähnliche Veranstaltungen fanden am gleichen Tag auch in benachbarten Orten statt, darunter in Höchberg, Estenfeld und Rimpar. In Würzburg selbst erinnern inzwischen 175 Stolpersteine in Würzburg an Opfer des NS-Regimes.
(Oktober 2008).

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