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Gedenken an Pogrom und Shoa: Platz’scher Garten wird zum Mahnmal
 
Zwischen November 1941 und Juni 1943 fanden in Unterfranken sechs Deportationen statt. Von 2043 Menschen, die in Würzburg in die Züge getrieben wurden, überlebten nur 41 die Shoa.
Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger mussten sich alle in Würzburg sammeln, anfangs in der Schrannenhalle an der Spiegelstraße, später im Platz`schen Garten, einem Gartenlokal, das sich an der Stelle befand, an der heute das „Haus Benedikt" der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach steht. Oberbürgermeister Georg Rosenthal eröffnete nun zusammen mit der Abtei und Dr. Josef Schuster, dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, an diesem Ort auf dem Weg in die Konzentrationslager Riga, Theresienstadt oder Auschwitz ein Mahnmal, das zugleich Ausgangspunkt werden soll für einen „Weg der Erinnerung". An Gedenk-Stelen entlang wird erstmals am 10. Mai des kommenden Jahres besonders der 852 Opfer der dritten Deportation erinnert, die am 25. April 1942 am helllichten Tag vom Platz`schen Garten in die Aumühle marschieren mussten.
Hinter diesem neuen Kapitel der Erinnerungskultur steht ein breites Bündnis an Unterstützern und Sponsoren. Als Initiatoren der Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern" können Stadträtin Benita Stolz und Helmut Försch genannt werden, die bereits durch die Verlegung vieler Stolpersteine im Würzburger Stadtgebiet Denkmäler gegen das Vergessen gesetzt haben. „Unseren Mitmenschen, denen alles genommen wurde, müssen wir wenigstens Namen und Würde wiedergeben", betonte Rosenthal die historische Verantwortung, diese Verbrechen niemals zu vergessen. Dieser Verantwortung kam die Abtei Münsterschwarzach nun in vorbildlicher Weise nach. Sie unterstütze das Vorhaben der Projektgruppe, wie Dr. Schuster betonte, spontan und uneingeschränkt auf dem 1955 erworbenen Grundstück.
Nach Entwürfen von Pater Meinrad Duffner entstand direkt am Friedrich-Ebert-Ring eine symbolträchtige Jugendstilsäule und Treppe mit verlorenen Schuhen. Jeder der diese Schwelle sieht, kann sofort begreifen, dass mit den Besitzern der Schuhe „etwas passiert sein muss", erklärte der Künstler seine Intention. Das frühere Tanzlokal ist kein unbeschwerter Ort mehr. Eine Rostschicht hat sich über das Ensemble gelegt. Schweigen und Vergessen, dürfe sich aber niemals über die Shoa legen, betonte Michael Reepen, der Abt von Münsterschwarzach.
Zahlreiche Vertreter der Kirchen, Politik und des gesellschaftlichen Lebens gedachten bei der Einweihung am 10. November der Pogrom-Nacht vom 9. auf den 10 November vor 72 Jahren. Wie schon am Vorabend als am Platz der ehemaligen Synagoge in der Domerschulstraße Rabbiner Jakov Ebert das Totengebet sang, betonten die Redner die historischen Zusammenhänge: Die Jahre ab 1933, in denen die einst über Deutschland hinaus bedeutende Jüdischen Gemeinde Würzburgs immer neuen Diskriminierungen ausgesetzt war. Nach dem 9. November 1938, der in Würzburg bereits drei Menschenleben kostete, war es laut Rosenthal dann nur noch ein kleiner Schritt zur physischen Vernichtung der jüdischen Bürger und weiterer Mitmenschen: „Wo die Menschenwürde relativiert wird, ist niemand mehr seines Lebens sicher."
 
An der Schwelle: Pater Meinrad Duffner erläutert das Denkmal am Platz’schen Garten Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Helmut Försch, Stadträtin Benita Stolz, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake und dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Josef Schuster.
Foto: Georg Wagenbrenner
 
 
http://www.wuerzburg.de/de/verwaltungpolitik/rathaus/aktuell/ob/30225.Gedenken_an_Pogrom_und_Shoa_Platzscher_Garten_wird_zum_Mahnmal.html
 
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